Kritik des Schlachtens im Nahen Osten:
Datum: 19.04.02 01:14
Eine Aufklärung über seinen Grund & Verlauf:
Staats- kontra Staatsgründungsterror: Abweichende Meinungen zum Krieg in Nahost
“Tragödie”? Aber nein: Gewalt als Mittel der Politik – auf allen Seiten!
Ex-General Sharon, der sein Land in die Entscheidungsschlacht gegen die palästinensische Autonomie führt, um jeden gewaltsamen Widerstand gegen die israelische Okkupation endgültig zu erledigen, nennt das Israels Beitrag zum “Krieg gegen den Terrorismus” und liegt damit deutlich näher an der Wahrheit als die meisten Analytiker in den demokratischen Medien, die ihre “tiefe Betroffenheit” über das tagtägliche Gemetzel im Nahen Osten heraushängen lassen, aber von den Gründen & Zielen der politischen Gewalt wenig wissen wollen. Stellvertretend für viele ein amerikanischer Professor (in der “Süddeutschen Zeitung” vom 9./10. März), der die Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern für “eine Tragödie” hält und allen Ernstes meint, diese gründe in “unbeabsichtigten Konsequenzen” des Handelns beider Seiten, auf Basis des Problems, daß “sich das israelische und das palästinensische Volk nicht voneinander trennen können.”
Daß sie sich separieren müssen, scheint Demokraten selbstverständlich. Sie teilen da die in Israel seit der Staatsgründung gültige zionistische Ideologie, derzufolge eine staatliche Existenz für die Juden nicht geht, wenn innerhalb ihrer Grenzen zu viele Araber wohnen. Ebenso wird der Übergang auf palästinensischer Seite – von der Auseinandersetzung mit dem zionistischen Staat zum Kriegsziel des Massakrierens möglichst vieler Juden – als scheinbar zwangsläufiges Verhängnis interpretiert, zu dem es kommen “muß”, wenn diese Araber keinen eigenen Staat machen dürfen, der ihre Neigung, mit Selbstmordattentaten “heilige Kriege” anzuzetteln, niederhält. Offensichtlich bringt es der Sachverstand der westlichen Welt, unisono von George W. Bush bis zur “Bildzeitung”, immer wieder nur zu dem selben rassistischen Urteil, wonach Juden und Araber einfach nicht zusammenpassen und zu der erzdemokratischen abgeklärten Selbstverständlichkeit, daß in einem gemeinsamen Staat das Mehrheitsvolk eine fremdvölkische Minderheit zwangsläufig drangsalieren und terrorisieren muß.
Sieht man das Gemetzel als ausweglosen Konflikt, bei dem als Grund für die Gewalt der einen Seite immer nur die Gewalt der anderen Seite gefunden wird, dann erschöpft sich die Anteilnahme notgedrungen in einem penetrant vorgebrachten Lamentieren darüber, was zwischen Mittelmeer und Jordan alles in Sachen Frieden nicht passiert. Man sollte die Aufmerksamkeit zur Abwechslung einmal darauf lenken, was dort passiert. Schlicht und ergreifend: Ein Krieg. Und zwar einer von der neuerdings beliebten Sorte; ein ausgesprochen “asymmetrischer” Krieg zwischen einer unendlich überlegenen “Supermacht”, hier von regionalem Zuschnitt, und einer hoffnungslos unterlegenen, zu kaum mehr als selbstzerstörerischen Terrorakten fähigen Partei. Dennoch ein Krieg mit den entsprechenden, sehr klaren politischen Zielsetzungen auf beiden Seiten, die nichts mit gut oder böse, nichts mit mehr oder weniger Friedensliebe und nichts mit weniger oder mehr Gewaltbereitschaft zu tun haben, sondern die das ihnen eben immanente Maß an Brutalität enthalten.
Die palästinensische Seite
führt einen Kleinkrieg, der das Niveau eines privat organisierten Terrors kaum überschreitet, der allerdings überhaupt keine private Zielsetzung verfolgt, sondern die Forderung nach einem palästinensischen Staat praktisch geltend macht, der gleichberechtigt neben Israel auf einigermaßen arrondiertem Gelände existiert. Und zwar dadurch, daß man den übermächtigen Gegner an dessen schwächster und einziger für die eigenen Waffen erreichbarer Stelle angreift – also unter dessen Zivilbevölkerung Opfer schafft und Israel so zu der Berechnung nötigen will, ob ein Entgegenkommen sich nicht lohnen könnte. Dabei hütet sich die palästinensische Autonomiebehörde wohlweislich, diesen Kleinkrieg selber offiziell zu führen; sie dementiert im Gegenteil jede Urheberschaft, weil sie sonst im Handumdrehen genauso offiziell beseitigt wäre. Das nimmt den Attentaten aber nichts von ihrem politischen Inhalt; und es ist auch ganz gleich, ob die politischen Gruppen, die sie verüben, das im Auftrag, unter Duldung oder gegen den Willen der Arafat-Behörden tun: Die palästinensische Seite führt auf diese Weise ihren Staatsgründungskrieg.
Natürlich tut sie das nicht bloß zu Lasten israelischer Bürger, sondern vor allem auf Kosten der eigenen Staatsbürger in spe; nicht bloß derer, die für Anschläge geopfert werden, sondern aller. Deren Überlebensbedingungen sind schon ruiniert; und der Rest wird auch noch aufs Spiel gesetzt, um dem israelischen Staat die Unhaltbarkeit der von ihm geschaffenen Lage zu “beweisen”. Das geschieht selbstverständlich zugleich unter Berufung aufs eigene palästinensische Volk: Dessen Not und Verzweiflung kann nur enden, wenn das Kriegsziel erreicht, der eigene Staat gegründet ist. Die Sachlage ist so zynisch, wie es sich für einen Krieg gehört: Das bedingungslose Streben nach palästinensischer Souveränität und das Überleben des dafür in Anspruch genommenen Volkes stehen in schärfstem Gegensatz zueinander – und zugleich ist beides faktisch deckungsgleich. Dafür sorgt schon Israel.
An diesem Ziel hat keine der engagierten palästinensischen Organisationen einen Zweifel – wie auch, in der post-kommunistischen Staatenwelt von heute, die für keinen Erdenbürger ein anderes Versprechen bereithält als die Aussicht, einem “eigenen” Staat anzugehören und im besten Fall als kapitalistisch nutzbar gemachtes Volkskörperchen dienen zu dürfen. Für die angewandte Methode haben die palästinensischen Terroristen nicht bloß in den israelischen Staatsgründern leuchtende Vorbilder, sondern auch eine politische Wahrheit auf ihrer Seite: Sie handeln nach dem Grundsatz, daß Staaten ohnehin ausschließlich die “Sprache der Gewalt” verstehen. Die Sache hat nur einen Haken: In dieser “Sprache” antworten Staaten dann auch und haben dabei in der Regel weit mehr zu “sagen” als Organisationen, die ihnen eine eigene Staatlichkeit erst abringen wollen.
Der Staat Israel
führt seinen Krieg im Unterschied zu Arafat offiziell, unter Einsatz seiner Militärmacht, mit Kampfbombern gegen “strategische” Objekte inmitten von Flüchtlingslagern; also nicht “bloß” im Sinne eines Polizeieinsatzes gegen politkriminelle Elemente, sondern frontal gegen militante Verfechter ebenso wie gegen die anerkannten politischen Repräsentanten des palästinensischen Staatsgründungswillens. Mit dem Ziel, die terroristisch tätigen feindlichen “Kampftruppen” zu vernichten und die Infrastruktur zu zerstören, auf die sie sich abstützen, wozu auch die Autonomiebehörde Arafats zählt. Der Gegner soll zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen werden: Zur vollständigen Unterwerfung unter Bedingungen, die Israel diktiert. Deren Inhalt behält die Regierung Sharon sich vor. Angebote werden nicht gemacht. Das einzige “Angebot” besteht in dem Versprechen, das militärische Zerstörungswerk zu stoppen, wenn die palästinensische Seite ihre Kapitulation erklärt – dafür stand vor der Offensive von Israels Armee die Forderung nach soundso viel Tagen ohne Terror als Voraussetzung für Gespräche. Inzwischen kommt diese Bedingung bei Sharon nicht mehr vor. Warum auch: Verhandelt wird nicht mehr–bis zur bedingungslosen Kapitulation der Palästinenser-Autonomie.
Für dieses Kriegsziel bringt die israelische Regierung nicht nur ein paar hundert Palästinenser um und ein paar Millionen in eine nicht aushaltbare Notlage; sie nimmt auch für ihre eigenen Bürger eine Art Kriegszustand in Kauf, einschließlich der Opfer feindlicher Terrorattacken. Das tut sie selbstverständlich auch unter Berufung auf ihr Volk, auf dessen Recht auf ein normales, ungefährdetes Alltagsleben. Solche Normalität ist einerseits zwar unvereinbar mit dem Krieg bis zur Kapitulation, den die Regierung gegen die palästinensische Seite führt; doch nachdem sie deren Kapitulation zur Voraussetzung sicherer Verhältnisse in Israel erklärt hat, tritt der Zynismus des Kriegs auch hier in Kraft: Alltägliche Sicherheit für Israelis und Unterwerfung der Palästinenser sind bei aller Gegensätzlichkeit andererseits deckungsgleich. Im Sinne dieses Zynismus praktiziert die Sharon-Regierung ihre eigene “Verteidigung”: Mit ihrer jüngsten militärischen Offensive verfolgt sie offenkundig die strategische Zielsetzung einer gewaltsamen Beseitigung der “Autonomie”-Behörde, die Wiederbesetzung der “Autonomie”-Gebiete und die Kontrolle der in einigen Ghettos zusammengepferchten Palästinenser.
Die “internationale Gemeinschaft”
ist auch schwer beschäftigt. Krieg geht heutzutage nicht ohne Genehmigung und Betreuung. Israel verfügt über eine überlegene Militärgewalt; sein Krieg geht auf Grund amerikanischer Subsidien in Form einer milliardenschweren jährlichen Militär- und Wirtschaftshilfe, die bei Bedarf aufgestockt wird, wenn Israel – wie derzeit – durch die Intensivierung seines Kriegs die eigene Wirtschaft ruiniert. Er geht ferner nur dank der politischen Billigung und Rückendeckung durch die USA. Die israelische Regierung reist in kurzen Abständen nach Washington, um abzuklären, wie viel Gewalteinsatz gegen die Palästinenser von den USA akzeptiert und mitgetragen wird.
Die Palästinensische Autonomie, von der israelischen Armee in ihrer materiellen Existenz inzwischen zerbombt, existiert nur noch, soweit sie von den USA konzessioniert wird und die EU sich durch Israels Krieg und durch die Kriegspolitik der USA herausgefordert sieht, den Nahen Osten als ihr eigenes Sicherheitsproblem zu definieren, also selbst Zuständigkeit zu reklamieren. Als Freund Israels und Anwalt Palästinas zugleich will sich Europa Respekt und Einfluß in der Region verschaffen.
http://www.gegenstandpunkt.com
Kritik des Schlachtens im Nahen Osten
eine Aufklärung über seinen Grund & Verlauf:Datum: 19.04.02 01:14
Eine Aufklärung über seinen Grund & Verlauf:
Staats- kontra Staatsgründungsterror: Abweichende Meinungen zum Krieg in Nahost
“Tragödie”? Aber nein: Gewalt als Mittel der Politik – auf allen Seiten!
Ex-General Sharon, der sein Land in die Entscheidungsschlacht gegen die palästinensische Autonomie führt, um jeden gewaltsamen Widerstand gegen die israelische Okkupation endgültig zu erledigen, nennt das Israels Beitrag zum “Krieg gegen den Terrorismus” und liegt damit deutlich näher an der Wahrheit als die meisten Analytiker in den demokratischen Medien, die ihre “tiefe Betroffenheit” über das tagtägliche Gemetzel im Nahen Osten heraushängen lassen, aber von den Gründen & Zielen der politischen Gewalt wenig wissen wollen. Stellvertretend für viele ein amerikanischer Professor (in der “Süddeutschen Zeitung” vom 9./10. März), der die Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern für “eine Tragödie” hält und allen Ernstes meint, diese gründe in “unbeabsichtigten Konsequenzen” des Handelns beider Seiten, auf Basis des Problems, daß “sich das israelische und das palästinensische Volk nicht voneinander trennen können.”
Daß sie sich separieren müssen, scheint Demokraten selbstverständlich. Sie teilen da die in Israel seit der Staatsgründung gültige zionistische Ideologie, derzufolge eine staatliche Existenz für die Juden nicht geht, wenn innerhalb ihrer Grenzen zu viele Araber wohnen. Ebenso wird der Übergang auf palästinensischer Seite – von der Auseinandersetzung mit dem zionistischen Staat zum Kriegsziel des Massakrierens möglichst vieler Juden – als scheinbar zwangsläufiges Verhängnis interpretiert, zu dem es kommen “muß”, wenn diese Araber keinen eigenen Staat machen dürfen, der ihre Neigung, mit Selbstmordattentaten “heilige Kriege” anzuzetteln, niederhält. Offensichtlich bringt es der Sachverstand der westlichen Welt, unisono von George W. Bush bis zur “Bildzeitung”, immer wieder nur zu dem selben rassistischen Urteil, wonach Juden und Araber einfach nicht zusammenpassen und zu der erzdemokratischen abgeklärten Selbstverständlichkeit, daß in einem gemeinsamen Staat das Mehrheitsvolk eine fremdvölkische Minderheit zwangsläufig drangsalieren und terrorisieren muß.
Sieht man das Gemetzel als ausweglosen Konflikt, bei dem als Grund für die Gewalt der einen Seite immer nur die Gewalt der anderen Seite gefunden wird, dann erschöpft sich die Anteilnahme notgedrungen in einem penetrant vorgebrachten Lamentieren darüber, was zwischen Mittelmeer und Jordan alles in Sachen Frieden nicht passiert. Man sollte die Aufmerksamkeit zur Abwechslung einmal darauf lenken, was dort passiert. Schlicht und ergreifend: Ein Krieg. Und zwar einer von der neuerdings beliebten Sorte; ein ausgesprochen “asymmetrischer” Krieg zwischen einer unendlich überlegenen “Supermacht”, hier von regionalem Zuschnitt, und einer hoffnungslos unterlegenen, zu kaum mehr als selbstzerstörerischen Terrorakten fähigen Partei. Dennoch ein Krieg mit den entsprechenden, sehr klaren politischen Zielsetzungen auf beiden Seiten, die nichts mit gut oder böse, nichts mit mehr oder weniger Friedensliebe und nichts mit weniger oder mehr Gewaltbereitschaft zu tun haben, sondern die das ihnen eben immanente Maß an Brutalität enthalten.
Die palästinensische Seite
führt einen Kleinkrieg, der das Niveau eines privat organisierten Terrors kaum überschreitet, der allerdings überhaupt keine private Zielsetzung verfolgt, sondern die Forderung nach einem palästinensischen Staat praktisch geltend macht, der gleichberechtigt neben Israel auf einigermaßen arrondiertem Gelände existiert. Und zwar dadurch, daß man den übermächtigen Gegner an dessen schwächster und einziger für die eigenen Waffen erreichbarer Stelle angreift – also unter dessen Zivilbevölkerung Opfer schafft und Israel so zu der Berechnung nötigen will, ob ein Entgegenkommen sich nicht lohnen könnte. Dabei hütet sich die palästinensische Autonomiebehörde wohlweislich, diesen Kleinkrieg selber offiziell zu führen; sie dementiert im Gegenteil jede Urheberschaft, weil sie sonst im Handumdrehen genauso offiziell beseitigt wäre. Das nimmt den Attentaten aber nichts von ihrem politischen Inhalt; und es ist auch ganz gleich, ob die politischen Gruppen, die sie verüben, das im Auftrag, unter Duldung oder gegen den Willen der Arafat-Behörden tun: Die palästinensische Seite führt auf diese Weise ihren Staatsgründungskrieg.
Natürlich tut sie das nicht bloß zu Lasten israelischer Bürger, sondern vor allem auf Kosten der eigenen Staatsbürger in spe; nicht bloß derer, die für Anschläge geopfert werden, sondern aller. Deren Überlebensbedingungen sind schon ruiniert; und der Rest wird auch noch aufs Spiel gesetzt, um dem israelischen Staat die Unhaltbarkeit der von ihm geschaffenen Lage zu “beweisen”. Das geschieht selbstverständlich zugleich unter Berufung aufs eigene palästinensische Volk: Dessen Not und Verzweiflung kann nur enden, wenn das Kriegsziel erreicht, der eigene Staat gegründet ist. Die Sachlage ist so zynisch, wie es sich für einen Krieg gehört: Das bedingungslose Streben nach palästinensischer Souveränität und das Überleben des dafür in Anspruch genommenen Volkes stehen in schärfstem Gegensatz zueinander – und zugleich ist beides faktisch deckungsgleich. Dafür sorgt schon Israel.
An diesem Ziel hat keine der engagierten palästinensischen Organisationen einen Zweifel – wie auch, in der post-kommunistischen Staatenwelt von heute, die für keinen Erdenbürger ein anderes Versprechen bereithält als die Aussicht, einem “eigenen” Staat anzugehören und im besten Fall als kapitalistisch nutzbar gemachtes Volkskörperchen dienen zu dürfen. Für die angewandte Methode haben die palästinensischen Terroristen nicht bloß in den israelischen Staatsgründern leuchtende Vorbilder, sondern auch eine politische Wahrheit auf ihrer Seite: Sie handeln nach dem Grundsatz, daß Staaten ohnehin ausschließlich die “Sprache der Gewalt” verstehen. Die Sache hat nur einen Haken: In dieser “Sprache” antworten Staaten dann auch und haben dabei in der Regel weit mehr zu “sagen” als Organisationen, die ihnen eine eigene Staatlichkeit erst abringen wollen.
Der Staat Israel
führt seinen Krieg im Unterschied zu Arafat offiziell, unter Einsatz seiner Militärmacht, mit Kampfbombern gegen “strategische” Objekte inmitten von Flüchtlingslagern; also nicht “bloß” im Sinne eines Polizeieinsatzes gegen politkriminelle Elemente, sondern frontal gegen militante Verfechter ebenso wie gegen die anerkannten politischen Repräsentanten des palästinensischen Staatsgründungswillens. Mit dem Ziel, die terroristisch tätigen feindlichen “Kampftruppen” zu vernichten und die Infrastruktur zu zerstören, auf die sie sich abstützen, wozu auch die Autonomiebehörde Arafats zählt. Der Gegner soll zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen werden: Zur vollständigen Unterwerfung unter Bedingungen, die Israel diktiert. Deren Inhalt behält die Regierung Sharon sich vor. Angebote werden nicht gemacht. Das einzige “Angebot” besteht in dem Versprechen, das militärische Zerstörungswerk zu stoppen, wenn die palästinensische Seite ihre Kapitulation erklärt – dafür stand vor der Offensive von Israels Armee die Forderung nach soundso viel Tagen ohne Terror als Voraussetzung für Gespräche. Inzwischen kommt diese Bedingung bei Sharon nicht mehr vor. Warum auch: Verhandelt wird nicht mehr–bis zur bedingungslosen Kapitulation der Palästinenser-Autonomie.
Für dieses Kriegsziel bringt die israelische Regierung nicht nur ein paar hundert Palästinenser um und ein paar Millionen in eine nicht aushaltbare Notlage; sie nimmt auch für ihre eigenen Bürger eine Art Kriegszustand in Kauf, einschließlich der Opfer feindlicher Terrorattacken. Das tut sie selbstverständlich auch unter Berufung auf ihr Volk, auf dessen Recht auf ein normales, ungefährdetes Alltagsleben. Solche Normalität ist einerseits zwar unvereinbar mit dem Krieg bis zur Kapitulation, den die Regierung gegen die palästinensische Seite führt; doch nachdem sie deren Kapitulation zur Voraussetzung sicherer Verhältnisse in Israel erklärt hat, tritt der Zynismus des Kriegs auch hier in Kraft: Alltägliche Sicherheit für Israelis und Unterwerfung der Palästinenser sind bei aller Gegensätzlichkeit andererseits deckungsgleich. Im Sinne dieses Zynismus praktiziert die Sharon-Regierung ihre eigene “Verteidigung”: Mit ihrer jüngsten militärischen Offensive verfolgt sie offenkundig die strategische Zielsetzung einer gewaltsamen Beseitigung der “Autonomie”-Behörde, die Wiederbesetzung der “Autonomie”-Gebiete und die Kontrolle der in einigen Ghettos zusammengepferchten Palästinenser.
Die “internationale Gemeinschaft”
ist auch schwer beschäftigt. Krieg geht heutzutage nicht ohne Genehmigung und Betreuung. Israel verfügt über eine überlegene Militärgewalt; sein Krieg geht auf Grund amerikanischer Subsidien in Form einer milliardenschweren jährlichen Militär- und Wirtschaftshilfe, die bei Bedarf aufgestockt wird, wenn Israel – wie derzeit – durch die Intensivierung seines Kriegs die eigene Wirtschaft ruiniert. Er geht ferner nur dank der politischen Billigung und Rückendeckung durch die USA. Die israelische Regierung reist in kurzen Abständen nach Washington, um abzuklären, wie viel Gewalteinsatz gegen die Palästinenser von den USA akzeptiert und mitgetragen wird.
Die Palästinensische Autonomie, von der israelischen Armee in ihrer materiellen Existenz inzwischen zerbombt, existiert nur noch, soweit sie von den USA konzessioniert wird und die EU sich durch Israels Krieg und durch die Kriegspolitik der USA herausgefordert sieht, den Nahen Osten als ihr eigenes Sicherheitsproblem zu definieren, also selbst Zuständigkeit zu reklamieren. Als Freund Israels und Anwalt Palästinas zugleich will sich Europa Respekt und Einfluß in der Region verschaffen.
http://www.gegenstandpunkt.com
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