In Großbritannien, das als Finanzstandort besonders jäh durch die Krise heruntergerissen wurde und wo die vielen Rettungsmaßnahmen der Labour-Regierung nicht zu greifen scheinen, bereitet man sich bei der Polizei sicherheitshalber auf eine heißen Sommer vor. Superintendent David Hartshorn, zuständig für öffentliche Ordnung, berichtete dem Guardian, dass Menschen, die Jobs, Häuser oder Ersparnissen verloren haben, sich möglicherweise wütenden und gewalttätigen Protesten anschließen könnten, wie dies bereits in den 1980er Jahren der Fall gewesen ist. Auch Angehörige der Mittelklasse könnte die Wut packen.
Schon jetzt hätte sich die Stimmung auf Demonstrationen verändert. "Bekannte Aktivisten" würden sich nach Erkenntnissen der Polizei wieder unter die Demonstrationen mischen und könnten versuchen, sie aufzuheizen. Links- und Rechtsextreme würden die wachsende Arbeitslosigkeit für ihre Zwecke zu nutzen versuchen.Im letzten Monat kam es bereits zu Spontanstreiks, die sich allerdings gegen ausländische Arbeitskräfte richteten.
Hartshorn vermutet, dass die Banken besonders zum Ziel der Wut werden könnten, die mit Steuergeldern unterstützt werden und weiterhin Boni auszahlen. Aber sie könnte sich auch gegen multinationale Konzerne oder andere Finanzinstitutionen richten. Zudem seien große Demonstrationen von Umweltschützern zu erwarten, die sich beispielsweise gegen die Erweiterung des Flughafens Heathrow richten. Wenn sich die Umweltschützer mit den Protesten gegen die Wirtschaft verbündeten, könnten starke Koalitionen entstehen.
Florian Rötzer, 24.02.2009
Telepolis, http://www.heise.de/tp/blogs/8/133396






