Fürst der Finsternis:
In der Tat, aber anders als Mister Perle das meint, ergab sich die Existenzkrise der Vereinten Nationen daraus, daß sie die nach dem Zusammenbruch der UdSSR entstandene illegale Weltordnung akzeptiert haben und dieser eine legale Grundlage geben wollten. Doch der Versuch einer Quadratur des Kreises ist noch immer schiefgegangen. Nachdem sich die Hypermacht ausreichend legitimiert fühlte, die Staaten, deren souveräne Existenz sich aus einer legalen Weltordnung ergibt, der Reihe nach abzuservieren, will sie sich auch noch der letzten »bürokratischen Hindernisse«, die ihrem Vormarsch im Wege stehen, entledigen.
Richard Perle, »Fürst der Finsternis« genannt, berührt mit seiner finsteren Prophezeiung den Kern des Problems. Das Schicksal der UNO ist wirklich aufs engste mit dem Schicksal des Irak als souveräner Staat verknüpft. Daß dies ein trauriges Schicksal ist, hat auch etwas mit der von der Weltorganisation verantworteten ökonomischen Verwüstung und militärischen Abrüstung ihres Mitgliedslandes zu tun. Doch eine für die USA überflüssig gewordene UNO ist immer noch besser als eine den USA nützliche UNO. Die wäre wirklich überflüssig.
US-Vordenker Perle will UNO abschaffen: Richard Perle, Berater von US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, gilt als der Meinungsführer des rechtsradikalen Establishments in Washington. Der Chefdenker des »New American Century« ist auf seine Art ein Avantgardist, der US-amerikanisches Machtbewußtsein ohne eine Spur moralischer und intellektueller Hemmungen zum Ausdruck bringt. Die Welt wird eine amerikanisch beherrschte sein oder sie wird nicht sein. Das spricht er so nicht aus, aber was er ausspricht, reicht, um sich ein Bild von einer internationalen Ordnung »Made by USA« zu machen.
In einem Interview mit der Berliner Zeitung hat Perle der UNO in entwaffnender Offenheit die Existenzberechtigung abgesprochen. Nach dem Krieg, den er offenbar als »reinigendes Stahlgewitter« betrachtet, werde darüber gesprochen werden müssen, »wie die westlichen Demokratien künftig ihre kollektive Sicherheit gewährleisten wollen«, skizzierte der Vordenker die Konturen der künftigen Ordnung in der Welt. In ihr wird die Mehrheit der Nationen nicht einmal mehr formale Mitspracherechte haben. In einem Artikel für den britischen Guardian formulierte es Perle noch um einiges drastischer: »Thank God for the death of the UN« – Gott sei Dank, die UNO ist tot. »Saddam Husseins Terrorherrschaft« gehe einem schnellen Ende entgegen und – »welch eine Ironie«– Saddam werde nicht alleine gehen, sondern die UNO mitnehmen. Richard Perle gibt sich großzügig: Nicht die Weltorganisation als Ganzes werde untergehen, auch nicht ihre Bürokratie. Was sterben werde, so der Pentagon-Berater, sei »die Phantasie von einer UNO, die die Grundlage der neuen Weltordnung« darstelle.In der Tat, aber anders als Mister Perle das meint, ergab sich die Existenzkrise der Vereinten Nationen daraus, daß sie die nach dem Zusammenbruch der UdSSR entstandene illegale Weltordnung akzeptiert haben und dieser eine legale Grundlage geben wollten. Doch der Versuch einer Quadratur des Kreises ist noch immer schiefgegangen. Nachdem sich die Hypermacht ausreichend legitimiert fühlte, die Staaten, deren souveräne Existenz sich aus einer legalen Weltordnung ergibt, der Reihe nach abzuservieren, will sie sich auch noch der letzten »bürokratischen Hindernisse«, die ihrem Vormarsch im Wege stehen, entledigen.
Richard Perle, »Fürst der Finsternis« genannt, berührt mit seiner finsteren Prophezeiung den Kern des Problems. Das Schicksal der UNO ist wirklich aufs engste mit dem Schicksal des Irak als souveräner Staat verknüpft. Daß dies ein trauriges Schicksal ist, hat auch etwas mit der von der Weltorganisation verantworteten ökonomischen Verwüstung und militärischen Abrüstung ihres Mitgliedslandes zu tun. Doch eine für die USA überflüssig gewordene UNO ist immer noch besser als eine den USA nützliche UNO. Die wäre wirklich überflüssig.
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