Verdeckte Ermittlerin des VS in Hannover:
Ihre Geschichte in Hannover
Sie kam 1998 nach Hannover und begann ein Studium der Sozialwissenschaften zum Wintersemester 1998. Mit Beginn des Wintersemesters arbeitete sie im Kollektiv des Elchkellers (linkes studentisches Café) mit. Im Herbst 1998 war sie auf einem Nachbereitungstreffen zu den hannöverschen Innenstadtaktionstagen. Von Herbst 1998 bis Oktober 1999 nahm sie an Treffen einer Frauengruppe zu diesem Themenbereich teil, kurze Zeit war sie damals auch in feministischen Antifa-Zusam-menhängen. 1999 nahm sie an dem Zentrentreffen in Hamburg teil. Von Anfang 1999 bis Dezember 2001 arbeitete sie in der gemischten Innenstadtgruppe Hannover mit und nahm auch an bundesweiten Innenstadtaktionstreffen teil. In der Zeit von Mai 1999 bis einschließlich April 2001 war sie Referentin für Presse und Öffentlichkeit im AStA der Universität Hannover. Dort hatte sie theoretisch Zugriff auf sämtliche Unterlagen und Dateien von diversen politischen Gruppen, die die Infrastruktur des AStA nutzten. Außerdem nahm sie an landesweiten ASten-Treffen teil. Seit Ende 1998 beteiligte sie sich an den regionalen Bündnistreffen, um den Widerstand gegen die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover neu zu organisieren. Seit dem ersten Treffen im Dezember 1998 nahm sie regelmäßig an bundesweiten Treffen zur Vorbereitung des EXPO-Widerstandes teil, die Ergebnis dieser regionalen Bemühungen waren. Ob sie an allen acht Treffen, die bis zur EXPO-Eröffnung im Juni 2000 stattfanden, teilgenommen hat (die in Hannover, Bielefeld und in „Zytanien“ im Rahmen eines anarchistischen Sommercamps stattfanden) lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Sie stellte später eine Ausgabe des Rundbriefs des bundesweiten Zusammenhanges von Anti-EXPO-Gruppen zusammen und hatte damit vollen Zugriff auf den bundesweiten Verteiler des EXPO-Widerstands. Sie arbeitete an den bundesweiten Mobilisierungszeitungen im April / Mai 2000 mit und war auch an einigen Mobilisierungsveranstaltungen in anderen Städten beteiligt. Entsprechend war sie regelmäßig auf den Anti-EXPO-Plena in Hannover und war vor allem organisatorisch in die Vorbereitungen und die Aktionen im Zusammenhang mit der Aktionswoche gegen die EXPO eingebunden, die Ende Mai / Anfang Juni 2000 stattfand. So übernahm sie auch Schichten des Infotelefons vor der Aktionswoche. An den Planungen–sowohl bundesweit, als auch lokal–für diese Aktionswoche war sie aktiv beteiligt und hatte Einblick in nahezu alle Bereiche. Beteiligt war sie auch an der Interkulturellen Sommeruni für Frauen und Lesben, die als Gegenprojekt zur „internationalen frauen uni“ der EXPO stattfand. Sie nahm an mehreren Protesten und Aktionen im Wendland gegen die Castor-Transporte teil und war spätestens seit dem Ende der EXPO (Oktober 2000) festes und sehr aktives Mitglied einer Anti-AKW-Gruppe in Hannover und nahm auch an mehreren szeneweiten Vorbereitungstreffen zu den Castor-Transporten teil. Im Wendland war sie bei Camp-Plena und Aktionsplanungen anwesend. Auch an Planungen und Aktionen zu anderen Castor-Transporten aus verschiedenen AKWs in die Wiederaufarbeitungsanlagen war sie beteiligt. Teilgenommen hat sie im Laufe ihrer „Szenetätigkeit“ in Hannover auch an mehreren Veranstaltungen in anderen Bereichen. Bisher bekannt ist uns, daß sie in Hannover auch bei Antifa-Demos und Aktionen gegen Abschiebungen war; bundesweit war sie beim Verstärker-Kongress in Leipzig 1999 und bei Demos gegen den Frauen-Abschiebeknast in Neuss. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sie in den Bereichen AStA, Anti-EXPO, Innenstadtaktion und Anti-AKW zentrale Funktionen einnahm und darüber auch bundesweite Strukturen mitbekam; in anderen Bereichen war sie zwar nicht so tief drin, immerhin aber so, dass sie für Hannover wusste, wer in welchen Zusammenhängen wie aktiv ist, welche Diskussionen geführt und welche Positionen vertreten werden. Sie bewegte sich viel und sehr selbstverständlich in den Strukturen der linken Szene, war häufig in der Vokü im UJZ Kornstraße (war auch in einer Kochgruppe) und hatte zahlreiche enge, z. T. sehr freundschaftliche Kontakte zu Menschen aus der Szene, in der sie allgemein sehr beliebt war. Seit Februar 2000 war sie Besitzerin eines PKW (blauer Citroen AX; angeblich ein Geschenk der Eltern), den sie bereitwillig und häufig an andere Personen ausgeliehen hat. Weiterhin besaß sie ein Handy, das oft in Gebrauch war–auch auf Demos und bei ähnlichen Aktionen. Die ersten vier Wochen in Hannover lebte sie in der Jugendherberge, anschließend alleine in einer Wohnung in der Lilienstraße in der Nordstadt. Im Sommer 1999 zog sie mit einer Frau aus dem politischen Umfeld zusammen. Im Oktober 2000 ist sie dann in eine größere WG mit politisch aktiven Leuten gezogen. Ihr Studium finanzierte sie Anfangs angeblich über ihre Eltern und ihre Arbeit im AStA. Mindestens seit März 2000 gab sie vor, einen Nebenjob in einem Reisebüro für Tagungsreisen etc. ohne Publikumsverkehr in Hannover-Stöcken zu haben. Sie war dort sehr flexibel „angestellt“ und „arbeitete“ dort bis zu drei Mal wöchentlich. Im Herbst 2001 machte sie für das angebliche Reisebüro eine einwöchige Reise, um „Hotels zu testen“. Nach ihrer Rückkehr gab sie an, dort jemanden kennen gelernt zu haben, der für ein halbes Jahr in einem Hotel auf Malta Kinder betreut habe, und sie sich gut vorstellen könnte, das Gleiche zu machen. Sie begründete dies damit, dass ihr ihr Studium nichts mehr bringe (sie sei auch durch ihre zweijährige AStA-Zeit völlig draußen) und sie erst einmal „Zeit für sich“ bräuchte, um herauszufinden, was sie wirklich wolle. Voraussetzung für den Aufenthalt in Malta sei ein dreimonatiges Praktikum in einem Hotel in Garmisch-Partenkirchen, auf das sie sich dann „bewarb“. Sie „bekam den Job“ und fuhr dort Mitte Januar in Begleitung zweier befreundeter Personen hin. Danach war sie tatsächlich in Garmisch-Partenkirchen, jedenfalls erhielt sie dort mehrfach Besuch von einer befreundeten Person aus Hannover. Mit einer anderen befreundeten Person traf sie sich in München. Am 28. März 2002 flog sie dann vorgeblich nach Malta, weshalb angeblich kein Kontakt über Handy mehr möglich war, nur noch per E-Mail. Am 16.4. schickte sie dann die erste E-Mail aus „Malta“. Jeden anderen Kontakt außer E-Mail wies sie zurück mit der Begründung, sie brauche diesen Abstand.
Ihre Legende
Sie gab an, am 30.12.75 in Schwerin geboren zu sein, als sich ihre Eltern dort gerade auf einer Silvesterfeier befanden. Die Eltern lebten eigentlich aber in dem Ort Geyer oder in Annaberg-Buchholz (beides Kleinstädte südlich von Chemnitz), dort wäre sie auch aufgewachsen. Mit 16 Jahren (im Jahr 1992) habe sie ihr Elternhaus verlassen und sei nach Osnabrück gezogen. Dort habe sie bei Freunden ihrer Eltern gelebt, um das Osnabrücker Ratsgymnasium zu besuchen, und 1995 ihr Abitur gemacht. Anschließend habe sie eine Lehre als Bürokauffrau oder ähnliches gemacht und sei dann zum Studium nach Hannover gekommen. Sie gab vor, einen Bruder zu haben, zu dem sie aber ein schlechtes Verhältnisse habe, weshalb sie ihn kaum sähe. Tatsächlich besuchte sie einmal ein junger Mann, den sie als ihren Bruder ausgab.
Die angeblich (!) wahre Biografie
In ihrem Outing hat sie eine andere Biografie angegeben. Demnach sei „Weiß“ nicht ihr wirklicher Nachname, ihr Vorname laute aber tatsächlich Kirsti. Sie sei am 5.9.1974 geboren und in Stolpen in der Nähe von Dresden aufgewachsen. Sie habe keinen Bruder, statt dessen eine jüngere Schwester, die heute etwa 15 Jahre alt sei. Nach der „Wende“ sei sie mit ihren Eltern in die Nähe von Hamburg gezogen und habe dort den Realschulabschluss gemacht. Danach habe sie eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte im Unteren Dienst einer Behörde absolviert. Um welche Behörde es sich dabei gehandelt habe, sagte sie nicht. Sie bestritt aber, Polizistin zu sein. Sie sei vom Verfassungsschutz privat angerufen worden, um sie für Spionagetätigkeiten in der Anti-EXPO-Szene anzuwerben. Ihr sei erzählt worden, dass so eine Mitarbeit notwendig sei, um militante Anschläge (z.B. Bombenattentate u.ä.) zu verhindern). Daraufhin habe sie, als Vorbereitung für ihr Studium, an der Abendschule ihr Abi gemacht. Nach ihren eigenen Angaben wurde sie extra für den Einsatz im EXPO-Widerstand aufgebaut. Sie habe weiterhin ihr Gehalt von 1.800 DM als Verwaltungsangestellte plus zusätzlich monatlich 2.000 DM für ihre Spitzeltätigkeiten erhalten. Sie war demnach also weiterhin fest angestellt in einer Behörde (auch noch zum Zeitpunkt ihres Outings, allerdings befände sie sich nur noch in ihrem Resturlaub bis Ende August). Ob sie für ein Landesamt oder das Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet hat, hat sie nicht gesagt. Auch über ihre Ausbildung für den Einsatz hat sie sich nicht geäußert. Nach ihren Angaben befand sie sich nicht nur im Besitz eines falschen Passes, sondern auch von anderen falschen Papieren (Zeugnisse etc.), während ihre echten Papiere beim Verfassungsschutz verwahrt wurden. In ihrer Zeit in Hannover habe sie nie in einem Reisebüro gearbeitet. Laut ihren jetzigen Angaben hat sie in diesen Zeiten ihre Vorgesetzten getroffen, wobei es Anhaltspunkte dafür gibt, dass dies tatsächlich in Hannover-Stöcken stattgefunden haben könnte. Ihr Weggang aus Hannover nach Garmisch-Partenkirchen sei nicht ihre Entscheidung gewesen, vielmehr habe der Verfassungsschutz sie für unsicher gehalten, so dass sie im Januar 2002 versetzt worden sei. Dazu bekam sie die Anweisung, sich mit den mit ihr befreundeten Personen zu zerstreiten. Ihr angeblicher Aufenthalt in Malta habe nie stattgefunden (am angeblichen Abreisetag, dem 28.3.2002 habe sie ihr Handy ihren Vorgesetzten aushändigen müssen). Sie behauptet, das letzte halbe Jahr statt dessen in Dresden gewesen zu sein. Sie gab an, zum Wintersemester ein Studium der Sozialpädagogik in Dresden beginnen zu wollen. Alle Angaben zum Outing sind erst einmal Aussagen der Verdeckten Ermittlerin selbst, die erst mal genauso unglaubwürdig sind, wie all das, was sie uns die letzten dreieinhalb Jahre erzählt hat.
Quellen und Personen schützen!
Um andere Personen zu schützen, wollen wir hier noch einmal darauf hinweisen, dass selbstverständlich nicht über Quellen und Personen spekuliert werden darf. Wer glaubt, Quellen oder Personen, die in Zusammenhang mit den Informationen stehen, zu kennen, behält dies für sich. Punkt. Insbesondere wollen wir darauf hinweisen, dass die im Text genannten befreundeten Personen unser volles Vertrauen genießen.
To be continued ...
In der Kürze der Zeit war es uns jetzt erstmal nur möglich, diese Informationen zusammen zu stellen. In der nächsten Veröffentlichung werden wir uns um eine politische Einschätzung bemühen... Wir sind auf weitergehenden Informationen zu „Kirsti Weiß“ angewiesen, die zur Aufarbeitung ihres Tuns, zur Schadensabschätzung und zur weiteren Aufklärung ihrer Person dienen.
Schickt entsprechende Hinweise bitte an folgende Adresse:
Aufarbeitungsgruppe c/o UJZ Kornstraße Kornstraße 28-30 30167 Hannover
http://www.antifa-action.de/
Verdeckte Ermittlerin des Verfassungsschutzes in den linken politischen Strukturen von Hannover
Von Herbst 1998 bis Januar 2002 befand sich unter dem Namen "Kirsti Weiß" eine Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes in den Strukturen der linken Szene in Hannover.
Ihre Geschichte in Hannover
Sie kam 1998 nach Hannover und begann ein Studium der Sozialwissenschaften zum Wintersemester 1998. Mit Beginn des Wintersemesters arbeitete sie im Kollektiv des Elchkellers (linkes studentisches Café) mit. Im Herbst 1998 war sie auf einem Nachbereitungstreffen zu den hannöverschen Innenstadtaktionstagen. Von Herbst 1998 bis Oktober 1999 nahm sie an Treffen einer Frauengruppe zu diesem Themenbereich teil, kurze Zeit war sie damals auch in feministischen Antifa-Zusam-menhängen. 1999 nahm sie an dem Zentrentreffen in Hamburg teil. Von Anfang 1999 bis Dezember 2001 arbeitete sie in der gemischten Innenstadtgruppe Hannover mit und nahm auch an bundesweiten Innenstadtaktionstreffen teil. In der Zeit von Mai 1999 bis einschließlich April 2001 war sie Referentin für Presse und Öffentlichkeit im AStA der Universität Hannover. Dort hatte sie theoretisch Zugriff auf sämtliche Unterlagen und Dateien von diversen politischen Gruppen, die die Infrastruktur des AStA nutzten. Außerdem nahm sie an landesweiten ASten-Treffen teil. Seit Ende 1998 beteiligte sie sich an den regionalen Bündnistreffen, um den Widerstand gegen die Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover neu zu organisieren. Seit dem ersten Treffen im Dezember 1998 nahm sie regelmäßig an bundesweiten Treffen zur Vorbereitung des EXPO-Widerstandes teil, die Ergebnis dieser regionalen Bemühungen waren. Ob sie an allen acht Treffen, die bis zur EXPO-Eröffnung im Juni 2000 stattfanden, teilgenommen hat (die in Hannover, Bielefeld und in „Zytanien“ im Rahmen eines anarchistischen Sommercamps stattfanden) lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Sie stellte später eine Ausgabe des Rundbriefs des bundesweiten Zusammenhanges von Anti-EXPO-Gruppen zusammen und hatte damit vollen Zugriff auf den bundesweiten Verteiler des EXPO-Widerstands. Sie arbeitete an den bundesweiten Mobilisierungszeitungen im April / Mai 2000 mit und war auch an einigen Mobilisierungsveranstaltungen in anderen Städten beteiligt. Entsprechend war sie regelmäßig auf den Anti-EXPO-Plena in Hannover und war vor allem organisatorisch in die Vorbereitungen und die Aktionen im Zusammenhang mit der Aktionswoche gegen die EXPO eingebunden, die Ende Mai / Anfang Juni 2000 stattfand. So übernahm sie auch Schichten des Infotelefons vor der Aktionswoche. An den Planungen–sowohl bundesweit, als auch lokal–für diese Aktionswoche war sie aktiv beteiligt und hatte Einblick in nahezu alle Bereiche. Beteiligt war sie auch an der Interkulturellen Sommeruni für Frauen und Lesben, die als Gegenprojekt zur „internationalen frauen uni“ der EXPO stattfand. Sie nahm an mehreren Protesten und Aktionen im Wendland gegen die Castor-Transporte teil und war spätestens seit dem Ende der EXPO (Oktober 2000) festes und sehr aktives Mitglied einer Anti-AKW-Gruppe in Hannover und nahm auch an mehreren szeneweiten Vorbereitungstreffen zu den Castor-Transporten teil. Im Wendland war sie bei Camp-Plena und Aktionsplanungen anwesend. Auch an Planungen und Aktionen zu anderen Castor-Transporten aus verschiedenen AKWs in die Wiederaufarbeitungsanlagen war sie beteiligt. Teilgenommen hat sie im Laufe ihrer „Szenetätigkeit“ in Hannover auch an mehreren Veranstaltungen in anderen Bereichen. Bisher bekannt ist uns, daß sie in Hannover auch bei Antifa-Demos und Aktionen gegen Abschiebungen war; bundesweit war sie beim Verstärker-Kongress in Leipzig 1999 und bei Demos gegen den Frauen-Abschiebeknast in Neuss. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sie in den Bereichen AStA, Anti-EXPO, Innenstadtaktion und Anti-AKW zentrale Funktionen einnahm und darüber auch bundesweite Strukturen mitbekam; in anderen Bereichen war sie zwar nicht so tief drin, immerhin aber so, dass sie für Hannover wusste, wer in welchen Zusammenhängen wie aktiv ist, welche Diskussionen geführt und welche Positionen vertreten werden. Sie bewegte sich viel und sehr selbstverständlich in den Strukturen der linken Szene, war häufig in der Vokü im UJZ Kornstraße (war auch in einer Kochgruppe) und hatte zahlreiche enge, z. T. sehr freundschaftliche Kontakte zu Menschen aus der Szene, in der sie allgemein sehr beliebt war. Seit Februar 2000 war sie Besitzerin eines PKW (blauer Citroen AX; angeblich ein Geschenk der Eltern), den sie bereitwillig und häufig an andere Personen ausgeliehen hat. Weiterhin besaß sie ein Handy, das oft in Gebrauch war–auch auf Demos und bei ähnlichen Aktionen. Die ersten vier Wochen in Hannover lebte sie in der Jugendherberge, anschließend alleine in einer Wohnung in der Lilienstraße in der Nordstadt. Im Sommer 1999 zog sie mit einer Frau aus dem politischen Umfeld zusammen. Im Oktober 2000 ist sie dann in eine größere WG mit politisch aktiven Leuten gezogen. Ihr Studium finanzierte sie Anfangs angeblich über ihre Eltern und ihre Arbeit im AStA. Mindestens seit März 2000 gab sie vor, einen Nebenjob in einem Reisebüro für Tagungsreisen etc. ohne Publikumsverkehr in Hannover-Stöcken zu haben. Sie war dort sehr flexibel „angestellt“ und „arbeitete“ dort bis zu drei Mal wöchentlich. Im Herbst 2001 machte sie für das angebliche Reisebüro eine einwöchige Reise, um „Hotels zu testen“. Nach ihrer Rückkehr gab sie an, dort jemanden kennen gelernt zu haben, der für ein halbes Jahr in einem Hotel auf Malta Kinder betreut habe, und sie sich gut vorstellen könnte, das Gleiche zu machen. Sie begründete dies damit, dass ihr ihr Studium nichts mehr bringe (sie sei auch durch ihre zweijährige AStA-Zeit völlig draußen) und sie erst einmal „Zeit für sich“ bräuchte, um herauszufinden, was sie wirklich wolle. Voraussetzung für den Aufenthalt in Malta sei ein dreimonatiges Praktikum in einem Hotel in Garmisch-Partenkirchen, auf das sie sich dann „bewarb“. Sie „bekam den Job“ und fuhr dort Mitte Januar in Begleitung zweier befreundeter Personen hin. Danach war sie tatsächlich in Garmisch-Partenkirchen, jedenfalls erhielt sie dort mehrfach Besuch von einer befreundeten Person aus Hannover. Mit einer anderen befreundeten Person traf sie sich in München. Am 28. März 2002 flog sie dann vorgeblich nach Malta, weshalb angeblich kein Kontakt über Handy mehr möglich war, nur noch per E-Mail. Am 16.4. schickte sie dann die erste E-Mail aus „Malta“. Jeden anderen Kontakt außer E-Mail wies sie zurück mit der Begründung, sie brauche diesen Abstand.
Ihre Legende
Sie gab an, am 30.12.75 in Schwerin geboren zu sein, als sich ihre Eltern dort gerade auf einer Silvesterfeier befanden. Die Eltern lebten eigentlich aber in dem Ort Geyer oder in Annaberg-Buchholz (beides Kleinstädte südlich von Chemnitz), dort wäre sie auch aufgewachsen. Mit 16 Jahren (im Jahr 1992) habe sie ihr Elternhaus verlassen und sei nach Osnabrück gezogen. Dort habe sie bei Freunden ihrer Eltern gelebt, um das Osnabrücker Ratsgymnasium zu besuchen, und 1995 ihr Abitur gemacht. Anschließend habe sie eine Lehre als Bürokauffrau oder ähnliches gemacht und sei dann zum Studium nach Hannover gekommen. Sie gab vor, einen Bruder zu haben, zu dem sie aber ein schlechtes Verhältnisse habe, weshalb sie ihn kaum sähe. Tatsächlich besuchte sie einmal ein junger Mann, den sie als ihren Bruder ausgab.
Die angeblich (!) wahre Biografie
In ihrem Outing hat sie eine andere Biografie angegeben. Demnach sei „Weiß“ nicht ihr wirklicher Nachname, ihr Vorname laute aber tatsächlich Kirsti. Sie sei am 5.9.1974 geboren und in Stolpen in der Nähe von Dresden aufgewachsen. Sie habe keinen Bruder, statt dessen eine jüngere Schwester, die heute etwa 15 Jahre alt sei. Nach der „Wende“ sei sie mit ihren Eltern in die Nähe von Hamburg gezogen und habe dort den Realschulabschluss gemacht. Danach habe sie eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte im Unteren Dienst einer Behörde absolviert. Um welche Behörde es sich dabei gehandelt habe, sagte sie nicht. Sie bestritt aber, Polizistin zu sein. Sie sei vom Verfassungsschutz privat angerufen worden, um sie für Spionagetätigkeiten in der Anti-EXPO-Szene anzuwerben. Ihr sei erzählt worden, dass so eine Mitarbeit notwendig sei, um militante Anschläge (z.B. Bombenattentate u.ä.) zu verhindern). Daraufhin habe sie, als Vorbereitung für ihr Studium, an der Abendschule ihr Abi gemacht. Nach ihren eigenen Angaben wurde sie extra für den Einsatz im EXPO-Widerstand aufgebaut. Sie habe weiterhin ihr Gehalt von 1.800 DM als Verwaltungsangestellte plus zusätzlich monatlich 2.000 DM für ihre Spitzeltätigkeiten erhalten. Sie war demnach also weiterhin fest angestellt in einer Behörde (auch noch zum Zeitpunkt ihres Outings, allerdings befände sie sich nur noch in ihrem Resturlaub bis Ende August). Ob sie für ein Landesamt oder das Bundesamt für Verfassungsschutz gearbeitet hat, hat sie nicht gesagt. Auch über ihre Ausbildung für den Einsatz hat sie sich nicht geäußert. Nach ihren Angaben befand sie sich nicht nur im Besitz eines falschen Passes, sondern auch von anderen falschen Papieren (Zeugnisse etc.), während ihre echten Papiere beim Verfassungsschutz verwahrt wurden. In ihrer Zeit in Hannover habe sie nie in einem Reisebüro gearbeitet. Laut ihren jetzigen Angaben hat sie in diesen Zeiten ihre Vorgesetzten getroffen, wobei es Anhaltspunkte dafür gibt, dass dies tatsächlich in Hannover-Stöcken stattgefunden haben könnte. Ihr Weggang aus Hannover nach Garmisch-Partenkirchen sei nicht ihre Entscheidung gewesen, vielmehr habe der Verfassungsschutz sie für unsicher gehalten, so dass sie im Januar 2002 versetzt worden sei. Dazu bekam sie die Anweisung, sich mit den mit ihr befreundeten Personen zu zerstreiten. Ihr angeblicher Aufenthalt in Malta habe nie stattgefunden (am angeblichen Abreisetag, dem 28.3.2002 habe sie ihr Handy ihren Vorgesetzten aushändigen müssen). Sie behauptet, das letzte halbe Jahr statt dessen in Dresden gewesen zu sein. Sie gab an, zum Wintersemester ein Studium der Sozialpädagogik in Dresden beginnen zu wollen. Alle Angaben zum Outing sind erst einmal Aussagen der Verdeckten Ermittlerin selbst, die erst mal genauso unglaubwürdig sind, wie all das, was sie uns die letzten dreieinhalb Jahre erzählt hat.
Quellen und Personen schützen!
Um andere Personen zu schützen, wollen wir hier noch einmal darauf hinweisen, dass selbstverständlich nicht über Quellen und Personen spekuliert werden darf. Wer glaubt, Quellen oder Personen, die in Zusammenhang mit den Informationen stehen, zu kennen, behält dies für sich. Punkt. Insbesondere wollen wir darauf hinweisen, dass die im Text genannten befreundeten Personen unser volles Vertrauen genießen.
To be continued ...
In der Kürze der Zeit war es uns jetzt erstmal nur möglich, diese Informationen zusammen zu stellen. In der nächsten Veröffentlichung werden wir uns um eine politische Einschätzung bemühen... Wir sind auf weitergehenden Informationen zu „Kirsti Weiß“ angewiesen, die zur Aufarbeitung ihres Tuns, zur Schadensabschätzung und zur weiteren Aufklärung ihrer Person dienen.
Schickt entsprechende Hinweise bitte an folgende Adresse:
Aufarbeitungsgruppe c/o UJZ Kornstraße Kornstraße 28-30 30167 Hannover
http://www.antifa-action.de/
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