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Haltet den Dieb!

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Haltet den Dieb!: DiebÜber Diebe, Banker und Unternehmer Unglaublich, was dieser Tage für moralische Verwerflichkeiten an den Tag treten. Erst wagt es eine seit 20 Jahren bei Kaisers angestellte Kassiererin, die unglaubliche Summe von 1,30 € in Form von vergessenen Pfandbons einzulösen. Dann sind zwei angestellte Bäcker einer Backwarenfabrik so dreist, die von ihnen angerührte Paste für einen Brotaufstrich auf eigene Brötchen zu schmieren, um sie abzuschmecken. Schaden: ca. 60 Cent. „Haltet den Dieb!" – schrien in beiden Fällen die Eigentümer und entließen die langjährigen, teilweise gewerkschaftlich organisierten und offenbar unbequemen Angestellten fristlos. Im Fall der Kassiererin erklärte das zuständige Arbeitsgericht die Kündigung für rechtens, im Fall der beiden Bäcker retteten nur Formfehler die beiden vor dem gleichen Schicksal. Beide Fälle machten Schlagzeilen, gingen durch die Medien.

Weniger Schlagzeilen machten dagegen die Forderungen von Ex-Hypo Real Estate-Chef Georg Funke, der seinen ehemaligen Arbeitgeber, der unter Funkes Führung auf den Bankrott zusteuerte und dies auch ohne Funke immer noch mit großer Ausdauer tut, auf 3,5 Millionen Euro Gehaltsanspruch verklagt hat. Armer Herr Funke. Hatte er doch bisher nur 800.000 € im Jahr bekommen, zuzüglich 560.000 € Pensionsansprüche im Jahr [1]. Mit solch einem fetten finanziellen Polster ließe es sich doch eigentlich auch nach einem unehrenhaften Rausschmiss noch gut leben, sollte man meinen. Aber Herr Funke fühlt sich offenbar sozial deklassiert. Ist auch schon ziemlich hart, 800.000 € im Jahr können ja schnell weg sein - vielleicht hatte er die in Lehman-Papiere angelegt? Nein, so dumm sind Banker nicht. So ein Zeugs überlassen sie lieber ihren Kunden, z.B. Kassiererinnen und Bäcker, die für 800.000 € ein ganzes Leben lang hart arbeiten müssen, brav ihre Steuern zahlen und nicht mal daran denken, ihr mühsam Erspartes wie die Herren Zumwinkel und Co. nach Liechtenstein oder in die Schweiz zu bringen. Soviel zum Thema Moral und Vergehen.

Was ist Diebstahl?

Wieso redet man eigentlich nicht auch im Fall von Herrn Funke von Diebstahl? Haben er und seine Kollegen nicht durch ihr unverantwortliches Verhalten den Staatshaushalt nachhaltig geschädigt? Werden dadurch nicht indirekt jedem Bürger und Steuerzahler Euros aus der Tasche gezogen, um die Schäden dieser feinen Damen und Herren zu begleichen? Noch ist dies eine rhetorische Frage, doch schon bald wird sie recht praktisch werden, denn irgendwann ist die Zeche zu bezahlen. Und die unbequemen Wahrheiten werden vermutlich ziemlich rasch nach der Bundestagswahl das Licht der Welt erblicken, wenn die neue Regierung – die dann eher zum repressiven Notstandsregime mutieren wird – mit Agenda 2020 und Hartz V-X, gepfändeten Renten, 100 % privatisiertem Gesundheitswesen und 25 % Mehrwertsteuer die Herzen der Bürger erfreut.
Ja, es ist Diebstahl! Der ganz normale Diebstahl, an den wir uns so gewöhnt haben, dass wir ihn gar nicht mehr wahr nehmen. Es ist der tägliche Diebstahl an unserer Gesundheit und Arbeitskraft, der uns immer mehr arbeiten und immer weniger Einkommen lässt. Herr Funke und seine Kollegen aus der Bankbranche sind in diesem Zusammenhang noch harmlos, sie sind nichts weiter als Sachwalter der großen Geldvermögen und haben sich dabei verzockt. Im Prinzip sind sie für die großen Kapitalsbesitzer nur so was wie kleine Angestellte - die wirklich Mächtigen und Reichen haben für Figuren wie Funke und Kollegen nur ein Lächeln übrig. Mit denen würden sie sich nicht mal den gleichen Friseur teilen wollen.
Der perfekte Diebstahl bleibt unerkannt und daher auch ungesühnt. Über ihn wird nicht vor Gerichten debattiert, über ihn wird auch nicht in den großen Medien berichtet, denn das wäre, als wenn der Dieb seine eigene Zeitung herausbringen und sich darin des Diebstahls bezichtigen würde. Dieser Diebstahl wird tagtäglich an den Menschen praktiziert, die ihre Arbeitskraft an die großen Kapitalsbesitzer wie die Familien Quandt, Albrecht, Piech oder Schaeffler verkaufen und dafür nur einen Teil dessen erhalten, was sie tatsächlich wert ist. Der Rest landet in den Taschen der Diebe. Täglich. Millionenfach. Still. Unerkannt. Und niemand spricht darüber, denn dieses Prinzip ist uns mit der Muttermilch mitgegeben, als quasi natürliche Ordnung allen Wirtschaftens der Menschheit.

So tragisch die kommende Krise auch ist. In ihr liegt auch die Chance, dass sich den Menschen - uns allen, die wir auf diese Gesellschaft konditioniert sind – die Augen öffnen und sie nicht länger überholte Prinzipien als unabänderlich annehmen, die seit Jahrhunderten immer nur wenigen Reichen dienten, den Mehrheiten aber Schaden zufügten.
In diesem Sinne: Lasst uns alle zu Dieben werden und uns das aneignen, was uns sowieso gehört. Den vollen Wert unserer Arbeitskraft durch die Anwendung des Äquivalenzprinzips.

Thomas Müntzer, www.puk.de, 10. März 2009


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