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Geschrieben von: Gast-Benutzer Dienstag, den 06. Januar 2009 um 00:50 Uhr
Das, was zunächst als „Unruhe“ und „Turbulenzen“ auf den Finanzmärkten bezeichnet wurde, darf nun auch offiziell als „Krise“ bezeichnet werden. Zunächst noch als „Finanzkrise“ in aller Munde, wird im Laufe von 2009 auch das Wort „neue Weltwirtschaftskrise“ Einzug in den Sprachgebrauch der Medien finden müssen, denn zu offensichtlich werden in den nächsten Monaten die sozialen Folgen sein, die sich immer weniger hinter „Rettungsschirmen“ und „Konjunkturprogrammen“ verstecken lassen werden. "Politik und Kultur“ (puk) versucht, Hintergründe und Zusammenhänge der Krise verständlicher zu machen, um damit die Grundlage zu schaffen, greifbare, realisierbare Alternativen – den Sozialismus des 21. Jahrhunderts - zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
Da wir vermutlich epochal an der Stelle stehen, an der sich später in den Geschichtsbüchern die Ereignisse verdichten werden, ist es immanent wichtig, sich über Ursachen und Hintergründe der aktuellen geschichtlichen Situation bewusst zu werden. Denn nur durch Kenntnis der Vergangenheit und durch Anwendung und Transformation dieser Erkenntnisse in der Gegenwart ist eine Gestaltung der Zukunft von „unten“ möglich, anstatt sie erneut in den Händen der Eliten von Reichen und Mächtigen zu belassen, die schon die Vergangenheit und Gegenwart mit ihren schmutzigen Kriegen und ihrer Ausbeutung von Mensch und Natur zur Wahrung Ihrer Eigeninteressen dominiert haben.
In diesem Sinne will „Politik und Kultur“ (puk) versuchen, Hintergründe und Zusammenhänge der Krise verständlicher zu machen, um damit die Grundlage zu schaffen, greifbare, realisierbare Alternativen – den Sozialismus des 21. Jahrhunderts - zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
Systemische Krise Es gibt eine systemische Krise, d.h. die sogenannte Finanzkrise ist nur ein Ausdruck einer tiefergehenden Systemkrise des kapitalistischen Weltsystems. Dies ist wichtig zu verstehen, denn es signalisiert, dass es kein erfolgreiches Zurück zu alten Rezepten wie Konjunkturprogrammen und staatlichem „Deficit Spending“ (Keynes) geben kann, auch wenn genau dies momentan mangels Alternativen versucht wird.
Grundlage jedes Profits ist allein die menschliche Arbeitskraft. Das ist ein alter Hut und wurde schon treffend von Marx analysiert. D.h. es bleibt nur das als Profit übrig, was dem Arbeitenden letztendlich an Lohn vorenthalten wurde (variable Kosten). Je mehr Arbeit aber automatisiert und durch Maschinen verrichtet wird, desto geringer ist der mögliche Profit pro produziertes Gut (weil Maschinen nur fixe Kosten produzieren und man ihnen nicht durch z.B. Lohndrückerei mehr abringen kann). Um dennoch mindestens den gleichen Profit zu erwirtschaften, muss bei steigender Automatisierung also mehr produziert werden. Dies macht ein Wachstum der Märkte erforderlich. Um dieses Wachstum abzudecken, ist wieder ein Mehr an (kreditfinanzierter) Technologie, Automation erforderlich, ein Wettbewerb der Produktionstechniken setzt ein (z.B. Computerindustrie, Automobilindustrie etc.). Insbesondere bei der Computerchipproduktion besteht aufgrund der kurzen Innovationsyzklen (kurze Zeitdauer bis zur Entwicklung einer neuen Speicher/Prozessor-Chipgeneration) ein stetiger Anpassungsdruck bei den Produktionsstrassen. Wenige Wochen Verzögerungen sind hier wettbewerbsentscheidend, so dass massiv in neue Produktionstechnologien investiert werden muss, die nach kurzer Zeit bereits wieder technisch überholt sind. Ähnlich verhält es sich bei anderen technischen Massenprodukten, die in den letzten Jahren massgeblich die wirtschaftliche Entwicklung geprägt haben (Consumer Electronic wie Flachbildschirme, Mobile Devices etc.). Besonders eklatant wird dies auch am Beispiel der Softwareentwicklung deutlich. Das fertige Produkt lässt sich digital beliebig kopieren, es entstehen nahezu keine Produktionskosten. Die Produktionskette ist hier auf einen reinen Entwicklungsprozess verkürzt, dem keine weitere Wertschöpfung mehr folgt. Es macht keinen Sinn, das so verdiente Geld in neue Produktionskapazitäten zu stecken. Daher geht das Geld in Finanzprodukte, es werden künstliche Wertschöpfungsketten erzeugt (z.B. Immobilienblase an der spanischen Küste), für die weder Gebrauch noch langfristige Gegenfinanzierung durch zahlungskräftige Konsumenten existiert.
Die Katze beisst sich gleich mehrfach in den Schwanz, weil durch die skizzierte Entwicklung die menschliche Arbeitskraft weiter aus den Produktionsprozessen zurückgedrängt wird (= noch weniger Profitmöglichkeiten), gleichzeitig nimmt man den aus den Produktionsprozessen gedrängten Menschen auch die Konsummöglichkeiten, weil die Einkommen aus der Arbeitstätigkeit fehlen. Laut Robert Kurz [2] hat sich diese Entwicklung seit den 80er Jahren, vor allem durch die neuen IT-Techniken, drastisch verschärft. Seit dieser Zeit hat sich die herkömmliche (seit mehreren hundert Jahren gültige ) Kette aus Produktion und Profitabschöpfung entkoppelt, Gewinnerwartungen resultierten immer weniger aus Produktionssteigerungen, als aus neuen Geldanlagemöglichkeiten und Finanzprodukten (z.B. Leasingmarkt für Autos, Banken von Automobilherstellern, Finanzierung von Konsumgütern über Kaufhausbanken etc.). Die so geschaffenen (gigantischen) Profite haben keine reale Basis mehr, die durch eine höhere Industrieleistung o.ä. gedeckt wären - die sogenannten "Blasen" entstehen. Und die sind jetzt komplett am Platzen.
Machen wir uns die (groben) Zusammenhänge anhand einer Grafik und exemplarisch an den Verhältnissen in den USA verständlich:

Die hier dargestellten Entwicklungen wurden exemplarisch an den USA dargestellt, da hier die Entwicklungen am offensichtlichsten sind. Gleichzeitig werden sie aber mehr oder weniger auch in Europa und dem Rest der Welt ähnlich ablaufen, da die USA hier letztendlich als bedeutendste Volkswirtschaft und mit dem US-$ als (noch) Weltleitwährung die Geschwindigkeit, den Takt und die Richtung vorgeben. Momentan besteht die absurde Situation, dass sich viele Staaten und Anleger in US-Staatsanleihen flüchten, da offenbar keine andere Alternative mehr gesehen wird – trotz der desolaten Situation der US-Wirtschaft. Möglicherweise werden die Staatsanleihen die letzte große Blase, mit deren Verpuffen dann auch die Währungen und somit die Staaten in eine System-Krise geraten.
Verlierer der skizzierten Entwicklung sind vor allem:
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Was bedeutet das in der Konsequenz? Es gibt 2 – 3 große Richtungen:www.puk.de, 05.01.09
[1] Harald Welzer, „Blindflug durch die Welt“ http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,598716,00.html| < Zurück | Weiter > |
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