GERA/POTSDAM, 25. März. In Gera veranstalteten letzten Freitag mehrere linke Organisationen eine Protestkundgebung, nachdem am 16. April in Potsdam der dunkelhäutige Ernyas M. bei einem Nazimordversuch schwer verletzt wurde und weiterhin in Lebensgefahr schwebt.
Zwei Tage nach der Tat beteiligten sich vor Ort 500 AntifaschistInnen an einer Demonstration unter dem Motto "Alle gegen Rechts".
"Nazistische Gewalt, Rassismus und Antisemitismus sind eine akute Bedrohung, welche, wie nach dem Nazimord in Gera, nun auch in Potsdam, verharmlost und zu entpolitisieren versucht wird. Dies ist ein Resultat, welches von alltäglichem Rassismus über die provinzielle Verteidigung des Standortes, bis hin zur latenten Solidarität mit Nazischlägern reicht", so Anna Schneider, Pressesprecherin der [AAG].
Der Generalbundesanwalt Nehm geht nach ersten Ermittlungen von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus, während sich PolitikerInnen und Lokalpresse mittlerweile in der Bagatellisierung des Mordversuchs üben und den Standort Brandenburg in Verruf sehen.
Wolfgang Schäuble (CDU) lamentierte darüber, dass auch blonde, blauäugige Menschen Opfer von ausländischen Gewalttätern würden und Jörg Schönbohm, ebenfalls (CDU), sprach in der ARD davon: "Ob es einen rechtsradikalen Hintergrund gibt, müssen wir erst noch klären." In der Berliner Morgenpost führte er mit seinen unhaltbaren Äußerungen fort und repräsentiert zugleich die Realität in der ostdeutschen Provinz: "Der Generalbundesanwalt hat den Fall politisiert und damit zu einer Stigmatisierung Brandenburgs beigetragen."
Die Märkische Allgemeine stimmte ein und legte in ihrer Berichterstattung dar, wie der betrunkene Emyas M. die Täter zuvor mit den Worten "Schwein" provoziert haben soll. Praktisch selbst Schuld an dem Angriff trage.
Anna Schneider dazu weiter: "Ständige Täteropferverdrehungen, Standortverteidigung, und verharmlosen nazistischer Gewalt verdeutlichen, dass neben Nazis auch der deutschen, nationalen und völkischen Identität der Gesellschaft offensiv entgegengetreten werden muss. Der Angriff auf Ernyas M. ist kein Einzelfall, sondern Resultat einer gesellschaftlichen Konstruktion von Volksfeinden und unnützen Ausländern."
Der Antifa Arbeitskreis Potsdam (AK Antifa) widerlegt unterdessen die Entpolitisierungsversuche von Jörg Schönbohm (CDU) und Märkischer Allgemeinen. Thomas M., einer der mutmaßlichen Täter gehört nach Informationen des AK Antifa der lokalen Naziszene an und trat mehrfach durch Angriffe in Erscheinung. "Zusammen mit Marcus S. und anderen gewaltbereiten Neonazis schüchtert er Menschen ein, bedroht und überfällt diese äußert gewalttätig. Dies passiert dann u.a. bei den verschiedensten in den letzten Jahren gelaufenen Gerichtsprozessen gegen Neonazis wie z.B. beim so genannten "Tram-Prozess" oder dem "Chamäleon-Prozess". Des Weiteren auf verschiedensten offiziellen Festen in der Stadt Potsdam, im letzten Jahr waren das die Babelsberger Livenacht, oder das Stadtwerkefestival, sowie die Biermeile ebenfalls in Babelsberg."
Emyas M. war am 16. April von zwei Tätern an einer Tram-Haltestelle in Potsdam als "Nigger" bezeichnet und anschließend durch einen gezielten Schlag auf den Kopf niedergeschlagen worden. Neben diesem versuchten Nazimord kam es in Potsdam innerhalb der letzten Monate zu über 20 Naziangriffen.
Antifaschistische Aktion Gera [AAG]
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