Da wir vermutlich epochal an der Stelle stehen, an der sich später in den Geschichtsbüchern die Ereignisse verdichten werden, ist es immanent wichtig, sich über Ursachen und Hintergründe der aktuellen geschichtlichen Situation bewusst zu werden. Denn nur durch Kenntnis der Vergangenheit und durch Anwendung und Transformation dieser Erkenntnisse in der Gegenwart ist eine Gestaltung der Zukunft von „unten“ möglich, anstatt sie erneut in den Händen der Eliten von Reichen und Mächtigen zu belassen, die schon die Vergangenheit und Gegenwart mit ihren schmutzigen Kriegen und ihrer Ausbeutung von Mensch und Natur zur Wahrung Ihrer Eigeninteressen dominiert haben.
In diesem Sinne will „Politik und Kultur“ (puk) versuchen, Hintergründe und Zusammenhänge der Krise verständlicher zu machen, um damit die Grundlage zu schaffen, greifbare, realisierbare Alternativen – den Sozialismus des 21. Jahrhunderts - zu diskutieren und weiterzuentwickeln.
Systemische Krise Es gibt eine systemische Krise, d.h. die sogenannte Finanzkrise ist nur ein Ausdruck einer tiefergehenden Systemkrise des kapitalistischen Weltsystems. Dies ist wichtig zu verstehen, denn es signalisiert, dass es kein erfolgreiches Zurück zu alten Rezepten wie Konjunkturprogrammen und staatlichem „Deficit Spending“ (Keynes) geben kann, auch wenn genau dies momentan mangels Alternativen versucht wird.
Grundlage jedes Profits ist allein die menschliche Arbeitskraft. Das ist ein alter Hut und wurde schon treffend von Marx analysiert. D.h. es bleibt nur das als Profit übrig, was dem Arbeitenden letztendlich an Lohn vorenthalten wurde (variable Kosten). Je mehr Arbeit aber automatisiert und durch Maschinen verrichtet wird, desto geringer ist der mögliche Profit pro produziertes Gut (weil Maschinen nur fixe Kosten produzieren und man ihnen nicht durch z.B. Lohndrückerei mehr abringen kann). Um dennoch mindestens den gleichen Profit zu erwirtschaften, muss bei steigender Automatisierung also mehr produziert werden. Dies macht ein Wachstum der Märkte erforderlich. Um dieses Wachstum abzudecken, ist wieder ein Mehr an (kreditfinanzierter) Technologie, Automation erforderlich, ein Wettbewerb der Produktionstechniken setzt ein (z.B. Computerindustrie, Automobilindustrie etc.). Insbesondere bei der Computerchipproduktion besteht aufgrund der kurzen Innovationsyzklen (kurze Zeitdauer bis zur Entwicklung einer neuen Speicher/Prozessor-Chipgeneration) ein stetiger Anpassungsdruck bei den Produktionsstrassen. Wenige Wochen Verzögerungen sind hier wettbewerbsentscheidend, so dass massiv in neue Produktionstechnologien investiert werden muss, die nach kurzer Zeit bereits wieder technisch überholt sind. Ähnlich verhält es sich bei anderen technischen Massenprodukten, die in den letzten Jahren massgeblich die wirtschaftliche Entwicklung geprägt haben (Consumer Electronic wie Flachbildschirme, Mobile Devices etc.). Besonders eklatant wird dies auch am Beispiel der Softwareentwicklung deutlich. Das fertige Produkt lässt sich digital beliebig kopieren, es entstehen nahezu keine Produktionskosten. Die Produktionskette ist hier auf einen reinen Entwicklungsprozess verkürzt, dem keine weitere Wertschöpfung mehr folgt. Es macht keinen Sinn, das so verdiente Geld in neue Produktionskapazitäten zu stecken. Daher geht das Geld in Finanzprodukte, es werden künstliche Wertschöpfungsketten erzeugt (z.B. Immobilienblase an der spanischen Küste), für die weder Gebrauch noch langfristige Gegenfinanzierung durch zahlungskräftige Konsumenten existiert.
Die Katze beisst sich gleich mehrfach in den Schwanz, weil durch die skizzierte Entwicklung die menschliche Arbeitskraft weiter aus den Produktionsprozessen zurückgedrängt wird (= noch weniger Profitmöglichkeiten), gleichzeitig nimmt man den aus den Produktionsprozessen gedrängten Menschen auch die Konsummöglichkeiten, weil die Einkommen aus der Arbeitstätigkeit fehlen. Laut Robert Kurz [2] hat sich diese Entwicklung seit den 80er Jahren, vor allem durch die neuen IT-Techniken, drastisch verschärft. Seit dieser Zeit hat sich die herkömmliche (seit mehreren hundert Jahren gültige ) Kette aus Produktion und Profitabschöpfung entkoppelt, Gewinnerwartungen resultierten immer weniger aus Produktionssteigerungen, als aus neuen Geldanlagemöglichkeiten und Finanzprodukten (z.B. Leasingmarkt für Autos, Banken von Automobilherstellern, Finanzierung von Konsumgütern über Kaufhausbanken etc.). Die so geschaffenen (gigantischen) Profite haben keine reale Basis mehr, die durch eine höhere Industrieleistung o.ä. gedeckt wären - die sogenannten "Blasen" entstehen. Und die sind jetzt komplett am Platzen.
Schaut man sich das Verhältnis der Anlagen, Wertpapiere etc. zum Welt-Bruttosozialprodukt an, so sieht man das gigantische Missverhältnis. Seit den 90er Jahren beruhen weit mehr als 90 % der weltweiten Geldströme auf spekulativen Geschäften, nur noch wenige Prozent beruhen auf realer Wirtschaftstätigkeit. Das Volumen der Derivate, von denen sich nun etliche als wertlos erwiesen haben (siehe Lehman-Brothers-Papiere) und im Zuge der Krise und Unternehmenszusammenbrüche weitere als wertlos erweisen werden, beträgt die gigantische Summe von 855 % des Welt-Bruttosozialprodukts, d.h. diese Papiere bilden das 8,5-fache der weltweiten Wirtschaftsproduktion ab [Grafik]. Mit anderen Worten: die Wirtschaftstätigkeit auf der Erde könnte 8,5 Jahre ruhen, und die Menschheit könnte sich aus diesen Papieren versorgen. Dass das Unsinn ist, ist jedem klar. Papier ist Papier, das kann man noch nicht mal essen. Was aber, wenn diese Pyramide, die ja durchaus real mit der Wirtschaft verwoben ist, zusammenbricht ?
Machen wir uns die (groben) Zusammenhänge anhand einer Grafik und exemplarisch an den Verhältnissen in den USA verständlich:

- Aufgrund der beschriebenen Entwicklung ist soviel Geld verfügbar, dass künstliche Wertschöpfungsketten generiert werden müssen, da das Geld nicht mehr gewinnbringend in Produktionskapazitäten angelegt werden kann. Banken vergeben billige Kredite an alle, z. B. für den Bau und Erwerb von Immobilien, auch an solche, die sich das eigentlich nicht leisten können (Beispiel USA, aber auch z.B. Spanien). Als Gegenleistung erhalten sie Zinsen (solange der Immobilienbesitzer zahlungsfähig ist) und das Haus als Sicherheit …
- Die Banken wiederum verkaufen ihre Forderungen gegenüber den Hausbesitzern gebündelt und vermischt mit anderen Wertpapieren an andere Banken oder Investoren und sichern sie durch sogenannte Credit Default Swaps gegen Ausfall ab (daher kommen hier auch die Versicherungen ins Spiel …). Das geht solange gut, solange der Ausfall im kalkulierten Rahmen bleibt...
- Andere Geschäfte der Banken (oder auch von Vermögensverwaltungsgesellschaften, Fonds etc.) laufen über Carry Trades (Ausnutzen von Zinsdifferenzen beim internationalen Währungsverkehr), durch Investitionen an der Börse oder durch Kreditvergabe an Unternehmen oder direkte Unternehmensbeteiligungen. Die Börse ist der Punkt, an dem sich alle Protagonisten dieses „Theaterstücks“ treffen. Versicherungen, Unternehmen, Banken, Privatanleger
- Das ganze stellt mit Verknüpfungen zwischen Unternehmen und Verbrauchern (Unternehmen zahlen Gehälter, Angestellte konsumieren und kaufen Produkte der Unternehmen, Gewinne und Erspartes gehen an die Börse etc....) eine sich selbst stabilisierenden und verstärkenden Regelkreis, der solange gut läuft, wie die Kapitalflüsse ungestört verlaufen können. Gerät ein Glied aus den Fugen, reisst es die ganze Kette in einen negativen Regelkreis, der sich ebenfalls selbst verstärkt:
- Die Immobilienblase platzt, immer mehr Häuslebauer können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Die kritische Grenze bei den Kreditausfallbesicherungen wird überschritten. Versicherungen haben Kapitalbedarf und müssen Anlagen (z.B. an der Börse) auflösen. Dies wirkt sich negativ auf Aktienkurse aus. Da die Forderungsverkäufe gebündelt mit anderen Wertpapieren waren, weiss niemand, wie viel „faule“ (nicht rückzahlbare) Kredite in bestimmten Finanzprodukten enthalten sind. Die Ausfallraten können bei 20 % oder bei über 90 % (Lehman-Brothers) liegen. Banken leihen sich daher gegenseitig kaum noch Geld (Störung des Interbankenverkehrs), da die dafür hinterlegten „Sicherheiten“ (z.B. Wertpapiere) möglicherweise sehr unsicher sind. Die Banken benötigen aber dringend frisches Kapital zur Aufbesserungf ihrer Bilanzen, da die „Wert“papiere in den Bilanzen als Guthaben stehen, möglicherweise aber nichts wert sind.
- Den Käufern der „Wert“Papiere (Banken) wird klar, dass sie jede Menge Schrott in ihren Bilanzen haben, dem keine Möglichkeit der Rückzahlung mehr gegenübersteht. Durch die zunehmende Anzahl an insolventen Hausbesitzern, Zwangsversteigerungen etc. erfolgt ein massiver Preisverfall im Immobilienmarkt. Den Banken gehen die Sicherheiten verloren. Immobilienfonds verlieren massiv an Wert, Banken und Versicherungen geraten in Schieflage...Weiter negative Auswirkungen auf die Aktienmärkte.
- Der private Konsum bricht ein, was für Unternehmen negative Konsequenzen hat (auch weltweit, z.B. Spielzeugindustrie, China). Kapital wird benötigt und aus Anlagen (Fonds, Aktien) abgezogen und zur Deckung eigener Auslagen benötigt oder in vermeintlich sicherere Anlagen (Staatsanleihen) überführt. Die Börsenkurse sind inzwischen massiv eingebrochen, einige Fonds geschlossen. Panik macht sich breit, die Aktienkurse schlagen Kapriolen. Nur noch Insider machen hier spekulative Gewinne (in Deutschland z.B. VW-Aktien), andere – sowohl Privatanleger als auch große Investmentgesellschaften – machen massive Verluste. Das Vertrauen in die Börse schwindet, damit schwinden auch für Unternehmen Möglichkeiten, frisches Kapital durch Aktienemissionen zu erhalten. Unternehmen geraten durch die Situation an den Aktienmärkten in Schieflage (Z.B. Schaeffler/Conti, Merckle/Ratiopharm/Heidelberger Zement...)
- Durch die Schieflage von Versicherungen und die Situation an den Aktienmärkten gehen vielen Menschen in den USA ihre (aktien- bzw. fondsbasierten) Pensionen verloren. Dies hat wiederum massive Auswirkungen auf den Konsum.
- Aufgrund des Konsumeinbruchs und schlechter Auftragslage müssen Unternehmen Mitarbeiter entlassen oder auf Kurzarbeit, verbunden mit Lohnkürzungen, setzen. Noch mehr Hausbesitzer geraten in Not und können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Noch mehr Kreditausfälle. Der Wertpapier-Schrotthaufen wächst und wächst...Da die Krise inzwischen international ist und weltweit Zinsanpassungen laufen, gehen auch Gewinnerwartungen aus Carry Trades verloren...Die Katze beisst sich in den Schwanz.
- Die FED (Fedreal Reserve = Notenbank der USA, steht hier auch als Synonym für die US-Regierungspolitik...) hat inzwischen mehrfach interveniert und frisches Kapital zur Verfügung gestellt, um die „Vertrauenskrise“ im Interbankenverkehr und bei der Kreditvergabe an Unternehmen zu lösen. Sie geht dazu über, den gesammelten „Schrott“ der Banken direkt zu übernehmen und gibt unbegrenzt Dollar (inzwischen nahezu ohne Verzinsung) an alle Banken und nimmt als „Sicherheiten“ deren „Wert“papier -Schrott an. Die FED als großer „Schwamm“ zur Bereinigung der Bankbilanzen...Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich in Europa ab. Josef Ackermann (Deutsche Bank) forderte jüngst die Gründung einer staatsfinanzierten „Bad Bank“ zur Aufnahme wertloser Wertpapiere...
- Da die Krise international geworden ist und der internationale Zahlungsverkehr in $ abgewickelt wird, werden auch $ zum Stopfen von Löchern aus den Wertpapierverlusten von den übrigen Zentralbanken benötigt. Diese kaufen daher US-Staatsanleihen, ebenso wie sich nationale Anleger aus „unsicheren“ Geldanlagen in vermeintlich sicherere Anlagen wie Schatzbriefe, aber auch in Edelmetalle flüchten. Der hohe $-Bedarf führt vorerst zu einem Anstieg des Dollar-Kurses gegenüber anderen Währungen.
- Große Unternehmen sind massiv vom Konkurs bedroht. Die FED finanziert nun auch deren erforderlichen Kapitalspritzen (z.B. GM, Chrysler) und kündigt an, zukünftig alle Verbindlichkeiten – sogar die von Hedgefonds – zu monetarisieren. Der Dollar gerät daraufhin unter Druck, denn inzwischen fragt sich jeder, wer diese gewaltigen Summen finanzieren soll (bzw. die, die sie bisher finanzierten (z.B. China) ahnen, dass sie das verliehene Geld wohl nicht so ohne weiteres wiedersehen werden und nehmen von weiteren Zahlungen Abstand...). Vermehrt wird auch offen über das Ende des Dollar als Weltleitwährung gesprochen. Einzelne Staaten beginnen, Alternativen zu entwickeln und neue Bündnisse einzugehen (Arabische Staaten, Lateinamerika, Russland).
- Um den Vertrauensverlust in den $ zu kaschieren und Normalität vorzuspiegeln, geht die FED dazu über, US-$-Staatsanleihen aufzukaufen und somit künstlich eine Nachfrage zu suggerieren.
- Da der US-$ keine goldgedeckte Währung mehr ist, muss als „Deckungsbasis“ letztendlich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA als (bisher) größter Volkswirtschaft der Welt als Vertrauensbasis herhalten. Klar ist, dass bei einem konstanten BIP (z.B. für 2007) eine gewisse $-Menge im Umlauf ist. Die Grenzen der Geldmenge lassen sich nicht beliebig ausweiten. Wird die Geldmenge wie in 2008 massiv erhöht, muss zwangsläufig der Wert des einzelnen US-$ gegenüber z.B. 2007 sinken. Gleichzeitig kommt hinzu, dass auch das US-BIP als Ausdruck der US-Wirtschaftsleistung aufgrund der Krise massiv sinken wird. Beide Faktoren führen zu einem Vertrauensverlust und notwendigerweise zu einer Abwertung des US-$.
Die hier dargestellten Entwicklungen wurden exemplarisch an den USA dargestellt, da hier die Entwicklungen am offensichtlichsten sind. Gleichzeitig werden sie aber mehr oder weniger auch in Europa und dem Rest der Welt ähnlich ablaufen, da die USA hier letztendlich als bedeutendste Volkswirtschaft und mit dem US-$ als (noch) Weltleitwährung die Geschwindigkeit, den Takt und die Richtung vorgeben. Momentan besteht die absurde Situation, dass sich viele Staaten und Anleger in US-Staatsanleihen flüchten, da offenbar keine andere Alternative mehr gesehen wird – trotz der desolaten Situation der US-Wirtschaft. Möglicherweise werden die Staatsanleihen die letzte große Blase, mit deren Verpuffen dann auch die Währungen und somit die Staaten in eine System-Krise geraten.
Verlierer der skizzierten Entwicklung sind vor allem:- im nationalen Rahmen die privaten Verbraucher (vor allem die mit Spareinlagen, Pensionsansprüchen etc.), da diese große Teile ihres Anlagevermögens, ihrer Pensionen, ihrer Jobs verlieren werden. Durch mögliche Währungsabwertungen verlieren Sparguthaben an Wert, gleichzeitig würden sich Produkte verteuern, bei niedrigerer Kaufkraft der (verbleibenden) Gehälter...
- Im internationalen Rahmen die Volkswirtschaften, die den bisherigen US-Wohlstand auf „Pump“ finanziert haben und US-Staatsanleihen und große $-Reserven besitzen, da diese vor einer Abwertung stehen. Dies betrifft z.B. China, aber auch arabische Staaten.
- Exportorientierte Länder, da diese ihre Produkte aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr im gewohnten Umfang absetzen können. Massiver Arbeitsplatzabbau ist die Folge... Dies wird voraussichtlich auch in Deutschland der Fall sein, dass sich jahrelang damit brüstete, „Exportweltmeister“ zu sein. Hochmut kommt vor dem Fall.
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Was bedeutet das in der Konsequenz? Es gibt 2 – 3 große Richtungen:- Entweder es gelingt den Eliten, einen Soft-Reset durchzuführen (was gerade versucht wird), dann bricht die Wirtschaftsleistung ein, viele gehen Pleite, herkömmliche Produktionskapazitäten werden abgebaut oder man entdeckt ein paar neue, zukunftsfähige Techniken. Dann geht das Spiel ein paar Jahre weiter, bis das Problem von neuem entsteht, vermutlich noch massiver. Also nur ein zeitlicher Aufschub von vielleicht 5 – 10 Jahren.
- Es kracht richtig und ein Teil der Erde landet wieder (mindestens) am Anfang des letzten Jahrhunderts. Das heißt Krieg, Zerstörung, "Neu"anfang. Das schafft dann einen "Aufschub" für die nächsten 50 – 100 Jahre. Was das für den Großteil der Menschheit bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. Da ein großer Exodus auch für die Eliten nicht kalkulierbar ist, ist dies keine Option der Wahl. Abwandlungen in Form von regional begrenzten Konflikten und Stellvertreterkriegen um Rohstoffe, billige Arbeitskräfte und Märkte sind aber denkbar, die angesichts der angeheizten wirtschaftlichen und sozialen Situation in einigen Ländern auch schnell unkalkulierbare Eigendynamiken entwickeln können.
- Der profitorientierte Kapitalismus sieht ein, dass er historisch am Ende ist und löst sich ähnlich in Wohlgefallen auf wie der realexistierende Sozialismus. Egal ob er das freiwillig tut oder nicht, ist die Aufgabe der Gegenwart und Zukunft, eine menschlichere, nicht-profitorientierte Alternative zu entwickeln, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Wirtschaft stellt. Eine Gesellschaft, die aus den Vor- und Nachteilen beider großen Systeme gelernt hat und eine Synthese daraus bildet. Also den sozialen Anspruch des Sozialismus hat und zentrale, lebenswichtige Bereiche der Wirtschaft wie Transport, Verkehr, Gesundheitswesen, Bildung und Versorgung plant, aber den privaten Antrieb, den (Ideen)Wettbewerb und die Initiative des Kapitalismus in anderen Bereichen der Wirtschaft beibehält. Politisch organisiert als teilnehmende, teilhabende Demokratie, Wirtschaftlich auf Basis wertgleicher Verrechnungsleistungen (z.B. der in einem Produkt enthaltenen menschlichen Arbeitszeit), die eine direkte Kopplung von Arbeitsleistung und Wert ermöglicht und der Abschöpfung von Profit aus der Arbeit des Menschen für immer ein Ende bereitet.
www.puk.de, 05.01.09
[1] Harald Welzer, „Blindflug durch die Welt“ http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,598716,00.html[2] Robert Kurz, u.a. unter http://www.exit-online.org









